Herr Lankat, Herr Promny, vielen Dank dass Sie sich Zeit genommen haben, um dieses Interview mit Shoppingdeluxe zu führen. Bitte erzählen Sie vorab ein wenig über sich selbst, um unseren Lesern einen besseren Eindruck der Gimahhot.de Mannschaft geben zu können.
Jürgen Lankat: Vor Gimahhot hab ich insgesamt 8 Jahre als Börsenmakler in Frankfurt, London und New York gearbeitet. Unter anderem war ich Leiter des Aktienhandels bei Julius Bär, Frankfurt. Dort hab ich mit einem fünfköpfigen Handelsteam monatlich eine Milliarde DM umgesetzt. Ab 2004 hab ich mit meinem Schulfreund und Mitbegründer von Gimahhot, Henning Fredersdorf, die Gimahhot-Idee entwickelt.
Thomas Promny: Ich bin seit Anfang 2000 als Internet-Unternehmer tätig. Meine adfire GmbH betreibt verschiedene erfolgreiche Webprojekte und ist besonders spezialisiert auf das Suchmaschinenmarketing. Seit 2005 bin ich parallel dabei, mit Gimahhot ganz neue Wege im E-Commerce zu beschreiten.
Vorab die Frage: Wie kamen Sie auf die Idee, Gimahhot.de zu gründen? Was hat den Anstoss dazu gegeben? Erklären Sie bitte das Prinzip von Gimahhot.de.
Jürgen: In 2004 bin ich aus privaten Gründen endlich zurück in meine Heimatstadt Hamburg und bin mittlerweile mit meiner damaligen Freundin glücklich verheiratet.
Da in Hamburg leider nicht soviel geht mit Aktienbörsen, habe ich - wie gerade schon angedeutet - mit Henning Fredersdorf zusammen die Idee entwickelt eine Produktbörse für Markenartikel aufzubauen, insbesondere daes eine solche neben Gimahhot bis heute noch nicht gab bzw. gibt.
Thomas: Das besondere an Gimahhot ist die freie Preisbildung beim Handel mit originalverpackter Markenware, wie an der Börse. Deswegen nennen wir die Plattform auch “Produktbörse”. Wir sehen uns als Weiterentwicklung der Preisvergleiche und Produktsuchmaschinen. Wir haben verschiedene Händler an die Plattform angebunden, momentan ca. 300. Deren Angebote zu einem bestimmten Produkt kann der Käufer bequem vergleichen und dann, im Unterschied zu anderen Plattformen, direkt bei uns kaufen. Aber nicht nur das, der Käufer kann auch ein verbindliches Gebot abgeben, wenn ihm der aktuell günstigste Angebotspreis zu hoch erscheint. Dieses Gebot gilt dann für eine vom Käufer festgelegte Zeit gegenüber dem gesamten Markt. Jeder Händler, der das Produkt anbieten kann, kann dann also auf dieses Gebot eingehen. Dieses Konzept ist bisher weltweit einmalig und von Gimahhot erfunden worden.
Jürgen: Vielleicht kann ich an dieser Stelle auch noch eine häufig gestellte Frage zu Gimahhot abhaken: Der Name “gimahhot” stammt aus der althochdeutschen Sprache des 8. Jahrhunderts und bedeutet “gemacht” - mit dem klassischen Handschlag und einem “gimahhot” wurde schon damals der Handel perfekt gemacht.
Wie steht es um die Finanzierung? Haben Sie dieses Projekt mit Venture Capital oder mit Eigenkapital realisiert? Wie verdienen Sie Geld?
Jürgen: Wir haben die bisherige Entwicklung mit Eigenkapital finanziert, stehen nun aber unmittelbar vor dem Abschluss einer VC-Finanzierungsrunde.
Thomas: Geld verdienen wir ausschließlich über eine Verkaufsprovision. Diese beträgt momentan noch 0%, ab Juli 2007 werden es 3% sein.
Wie positionieren Sie in der E-Commerce Landschaft Gimahhot? Warum sollten die Nutzer zu Ihnen auf die Seite kommen?
Thomas: Weil der Nutzer bei uns erstmal aktiven Einfluss auf die Preisgestaltung hat. Zudem kauft er bei uns einfach und sicher bei einer bekannten Plattform. Kauft er über Preisvergleiche, muss er sich ständig wieder bei anderen Shops registrieren und sich dort zurechtfinden. Hier sorgen wir für eine erhebliche Vereinfachung für den Nutzer.
Jürgen: Zudem eignet sich das Börsenprinzip von Gimahhot für den Handel mit Neuware viel besser als zum Beispiel die Auktion. Vergleichbare Massenware wird immer an Börsen und nicht mittels Auktionen gehandelt, ob es sich um Schweinehälften oder Rohöl handelt. Wenn ich bei Ebay einen neue Ipod Nano 4 GB in grün kaufen möchte, finde ich 80 verschiedene Auktionen, die ich mir alle anschauen muss, ein riesiger Aufwand. Dann gebe ich vielleicht Gebote bei drei dieser Auktionen ab und am Ende habe ich dann oftmals drei oder gar keinen Ipod. Bei Gimahhot gibt es nur ein einziges Handelsfenster für ein bestimmtes Produkt. In diesem kann ich dann sofort zum günstigsten Angebotspreis kaufen oder ein Gebot abgeben und auf die Reaktion des Marktes warten.
Welche Form des Marketings betreiben Sie im Moment für Ihr Portal?
Thomas: Wir konzentrieren uns zunächst auf Suchmaschinenmarketing und PR. Ebay hat ja auch nicht im ersten Jahr TV-Werbung gemacht, das kommt bei uns dann also auch erst etwas später.
Bisher haben Sie sich überwiegend auf das Elektronikartikelsegment konzentriert, wo jedoch erfahrungsgemäß die Margen recht schmal sind. Planen Sie, weitere Artikelsortimente mit aufzunehmen? Wenn ja, welche?
Jürgen: Wir nehmen regelmäßig neue Segmente auf, wenn wir gute Händler dafür haben. Übrigens sind wir neben der Elektronik auch jetzt schon stark in anderen Bereichen wie zum Beispiel Uhren & Schmuck sowie Spielzeug, hier sind die Margen auch besser.
Haben Sie vor, Ihr Projekt international auszurollen? Welche Märkte/Länder wären dort interessant für Sie?
Jürgen: Wir wollen zunächst in Deutschland beweisen, dass das Konzept funktioniert. Natürlich wollen wir die weltweite Expansion für die nächsten Jahre anstreben, aber noch ist es dafür etwas früh.
Wer sind Ihre größten Wettbewerber und was ist Ihr USP gegenüber selbigen?
Thomas: Die wichtigen Wettbewerber sind auf der einen Seite Auktionshäuser, da in erster Linie natürlich Ebay. Wir finden, dass Ebay für den C2C-Markt super funktioniert, aber im B2C-Markt haben wir deutliche Vorteile, die oben bereits genannt wurden. Auf der anderen Seite gibt es einige sehr erfolgreiche Preisvergleiche, allen voran idealo.de momentan. Die USPs für die Käufer wurden schon oben beschrieben. Für die Händler gibt es einen weiteren: Wir berechnen nur eine Verkaufsprovision, sind damit als besser kalkulierbar als die CPC-Modelleder Preisvergleicher und völlig risikolos für den Händler. Nicht zuletzt darf man natürlich auch die Bedeutung Amazons als Multishopping-Plattform nicht unterschätzen. Amazon hat zweifellos einen exzellenten Ruf als vertrauenswürdige, sichere Shoppingplattform. Im Vergleich zu Gimahhot ist es aber doch nur ein Web 1.0 Gemischtwarenladen ohne Preisvergleichsfunktion und irgendwelche preisliche Interaktionsmöglichkeit für den Käufer.
Wo steht Gimahhot in 2 und in 5 Jahren?
Thomas: Wir sehen uns als eine wichtige Neuerung im Ecommerce-Markt. Wenn die Händler und Käufer erkennen, welche Vorteile Ihnen Gimahhot bietet, werden wir die Marktaufteilung zwischen Auktionshäusern und Preisvergleichen im B2C-Markt deutlich zu unseren Gunsten verändern können.
Was steht als Nächstes bei Gimahhot.de an?
Thomas: Große Veränderungen. Wir wachsen kräftig und werden demnächst innerhalb Hamburgs in ein größeres Büro umziehen.
Jürgen: In dem ein Kickertisch natürlich nicht fehlen darf. ![]()



Mai 24th, 2007 at 17:56
Das ist mal ein guter Artikel, sehr lesenswert wird eine neue Innovative E-Commcerce Idee vorgestellt.
Jetzt kommt es darauf an möglichst schnell eine wettbewerbsfähige Anbieterstruktur aufzubauen. Ohne die “mittelgroßen” Onlinehändler geht es sicherlich nicht.
Zusätzlich bin ich sehr gespannt, ob es gelingt auch die großen Händler auf die Plattform zu bekommen, dies ist bisher noch keinem Marktplatz wirklich gelungen. Diese sind halt nur an Traffic interessiert und lassen sich den Warenkorb nicht nehmen.
Mein Interesse war so groß, dass ich mir sogar die Webseite ausführlich angesehen habe. Was deutlich fehlt ist die Möglichkeit Lob&Kritik direkt zu äußern. Die Idee ist stark, mir fallen aber sehr schnell Verbesserungsvorschläge ein.
Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass diese Plattform zu einer Bereicherung der deutschen E-Commerce Landschaft wird. Hoffentlich werden die Letsbuyit.com Fehler vermieden
Viele Grüße und vor allem an den Blog-Betreiber: Weiter so! Ich freue mich schon auf den nächsten Artikel hier.
Mai 25th, 2007 at 14:23
Hm, irgendwie kann ich mich dem positiven Kommentar hier nicht anschließen. Der Onliner hat doch schon so viele Möglichkeiten Online einzukaufen, Preise zu vergleichen, Autkionen zu kaufen und Schnäppchen zu erziehlen. Kann man denn jetzt noch auf dem Markt Erfolg haben? Weder die Händler (auf die man angewiesen ist) noch die Käufer (die darauf nicht angewiesen sind) sind einfach zu bekommen.
Ich fürchte, dass es ohne starken Medienpartner im Rücken oder die wirklich großen Verkäufer nichts wird. Beides hab ich auch dort noch nicht gesehen.
Mai 30th, 2007 at 17:16
Hallo Anonym!
Danke für den Kommentar. Konstruktive Kritik nehmen wir ja immer gern.
Natürlich braucht es noch einiges an Zeit und Arbeit, mehr Händler und Käufer, dass Gimahhot richtig gut funktioniert.
Wenn das einfach wäre, so eine Plattform zu etablieren, dann gäbe es ja schon 12.
Wir sind aber auf einem guten Weg dahin und wenn du das Interview liest, lässt sich daraus vielleicht auch erkennen, dass wir sowohl den Käufern als auch den Händler diverse Vorteile bieten, die sie bisher nirgendwo sonst bekommen.
Grüße,
Thomas Promny
Juli 3rd, 2007 at 12:34
[…] Gimahot hatte ich damals vor rund einem Jahr betrachtet und festgestellt, dass der Sex fehlt. Hat sich bis heute imho nicht geändert. Das Problem, eine verhüllte Schönheit zu sein (denn die Idee dahinter ist nicht blöd, s.u.), gestehen ja die Gründer auch ein (siehe auch Interview). […]
Mai 22nd, 2008 at 19:03
[…] Erklärt einer der Gründer im Shoppingdeluxe-Interview. Der Name ist also Programm. Das Unternehmen sieht seine Produktbörse als weltweite Innovation und möchte sich zwischen typischen Preissuchmaschinen und Auktionshäusern positionieren. Eine berechtigte Nische. So kann man also ein Produkt nicht nur zum festen “Sorfort-Kaufen-Preis” bestellen, sondern auch ein Gebot zum gewünschten Preis abgeben. Der Clou daran ist, dass dieses Gebot nicht nur dem aktuellen Anbieter des Produktes gezeigt wird, sondern jeder Händler darauf eingehen kann. So kann ein Preis direkt nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage entstehen. Allerdings stößt die darstellerische Umsetzung und Kommunikation noch auf Kritik: Dass Gimahhot als Shopping-Bazar für Neuware (”Sie bestimmen den Preis”) durchaus reizvoll ist, sieht man der aktuellen Umsetzung leider nicht unbedingt sofort an. […]