Feb 01

Exklusivinterview mit Christoph Röck, Geschäftsführer von Pangora

Christoph Röck
Sehr geehrter Herr Dr. Röck, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen, um einige Fragen für den Shoppingdeluxe Blog zu beantworten. Sie sind ja ein “alter Hase” im Online Shopping Geschäft und kennen die Vor- und Nachteile dieses Industriesektors sehr genau.

Wie sieht aus Ihrer Sicht in der Zukunft ein Preisvergleichsportal aus? Welche Funktionalitäten werden den Nutzern geboten? Wie sieht das Shopping 3.0 aus?

Christoph Röck: Gute Frage. Der Preisvergleichsmarkt wird sehr stark durch Google und die Integration in den organischen Index getrieben. Die Integration in die organische Suche ist deutlich schwieriger geworden. Google hat es geschafft, verstärkt ihr Credo “was gut für den Nutzer ist, ist gut für Google” in Ihre Algorithmen einfließen zu lassen. Ich erwarte, dass es im Preisvergleichsmarkt eine wesentlich stärkere Orientierung hin zum Nutzer und weg von der in den letzten Jahren dominierenden rein technischen Aufbereitung der Seiten für Google geben wird. Insofern stehen wir am Anfang einer sehr an den Nutzern ausgerichteten Weiterentwicklung unseres Marktes.

Wie beurteilen Sie das Preisniveau bei den lokalen Cost per click Modellen. Erfahrungsgemäß sind diese sehr unterschiedlich. In den USA und UK sind diese sehr hoch, in anderen Ländern wie Italien sehr niedrig. Warum spielt Deutschland beim CPC nur eine mittelmäßige Rolle? Hängt dies mit dem Vorurteil der “so efficient germans” zusammen, wie wir immer in den anderen Ländern verschrien sind? Was ist anders in Deutschland?

Christoph Röck: Der Cost per Click ist lediglich eine Währung zwischen Werbetreibenden und Werbemedium. Die Höhe des CPCs in den einzelnen Märkten wird aus meiner Sicht durch mehrere häufig lokale Gesichtspunkte beeinflusst: In Italien beispielsweise ist der Ecommerce längst noch nicht so akzeptiert wie in den USA und Großbritannien. Dies schlägt sich in der Kaufwahrscheinlichkeit der Nutzer nieder und dies wiederum in niedrigere CPCs, die ein Shop pro Besucher in seinen Shop zahlen kann. Ähnliches gilt für das Preisniveau und die Margen im Handel insgesamt und diese sind wiederum Konsequenz der Konkurrenzsituation eines Marktes. Die Marge eines Händlers pro verkauftes Produkt bestimmt im Wesentlichen, wie viel ein Händler für Werbung und Neukunden ausgeben kann. Der Einzelhandel und Versandhandel in Deutschand gilt als der preisagressivste der Welt. Dies ist auch ein Grund dafür, dass in den USA und Großbritannien die durchschnittlichen CPCs auf einem anderen Niveau liegen. Dies sind aus meiner Sicht nur zwei von einer ganzen Menge von Aspekten, die zu den lokal ausdifferenzierten Preislagen führen.

Viele Produktsuchen/Preisvergleiche erweitern Ihren Katalog mit zusätzlichen Kategorien (z.B. Immobilienvergleich, Kreditvergleich). Macht dies aus Ihrer Sicht Sinn oder verwässert man eher das Bild der Seite, welches man bei dem User erwecken möchte?

Christoph Röck: Das kann man pauschal so nicht beantworten und hängt sehr von der Positionierung der einzelnen Marke und deren Nutzersegment ab. Einem Hardwareschotte wird man wahrscheinlich nicht abnehmen, Immobilienkredite zu vermitteln, zu einer Buycentral könnte sowas eher passen.

Welche Trafficquelle ist Ihrer Meinung nach die Beste für eine Produktsuche und die integrierten Shops?

Christoph Röck: Loyale Nutzer und Suchmaschinentraffic aus Keyword-Advertising und Google-Integration.

Nun sind sie mehr als 6 Jahre Geschäftsführer bei Pangora und laut der heutigen Pressemitteilung scheiden Sie per 28.02.2006 aus dem Unternehmen aus. Heißt das für Sie, als alter Bertelsmann, gehen nun zurück in die Old Economy oder bleiben Sie uns erhalten? Erzählen Sie uns von Ihren Zukunftsplänen.

Christoph Röck: Ich werde dem Internet verbunden bleiben.

6 Jahre sind eine lange Zeit. Welche Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Zeit bei Pangora für sich persönlich und beruflich mit?

Christoph Röck: Das sind zu viele, um sie an dieser Stelle preiszugeben ;-)

Die viel diskutierte Konsolidierungswelle, die noch vor einigen Jahren aktuell war, beziehungsweise ist, ist im vollen Gange: Lycos kauft Buycentral, Ebay kauft Shopping.com, Scripps kauft Shopzilla, Axel Springer kauft Idealo, Lycos kauft Mentasys. Sind wir hier am Ende und führt sich dies fort?

Christoph Röck: Ich glaube, den Markt in Deutschland muss man etwas differenzierter betrachten. Auf der einen Seite ist er durch Übernahmen gekennzeichnet, auf der anderen Seite treten eine Reihe neuer Wettbewerber mit einigem Erfolg in den Markt (z.B. billiger.de, Smartshopping.de usw) ein. Eine richtige Konsolidierung hat aus meiner Sicht noch nicht eingesetzt. Im Gegenteil: Die Anzahl der Player hat in Deutschland in den letzten Jahren eher zugenommen.

Über welche Produktsuche finden Sie Ihre Wunschprodukte? :-)

Christoph Röck: Bei Lycos Shopping und Buycentral

Herr Dr. Röck, wir danken Ihnen sehr für dieses Interview und wünschen Ihnen beruflich und privat alles Gute.

Liebe Leser, falls Sie Fragen an Herrn Dr. Röck haben sollten, nutzen Sie bitte die Kommentierungsmöglichkeit in diesem Blog.

Copyright Shoppingdeluxe 2007


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6 Responses to “Exklusivinterview mit Christoph Röck, Geschäftsführer von Pangora”

  1. Anonymous Says:

    Alles Gute Herr Röck. Ich bin gespannt, wohin es Sie verschlägt.

    Tolles Interview. Gibt es bald weitere davon?

    Gruß aus Hamburg

  2. ShoppingDeluxe HS Says:

    Es werden weitere Interviews kommen. Für Anregungen und Feedback bin ich sehr offen.

    Gruß Henning Scheel

  3. Joachim Graf Says:

    Manueller Trackback
    Dr. Christoph Röck, der zu Monatsende scheidende Pangora-Geschäftsführer, erwartet eine Änderung der Strategie der Preisvergleichsdienste.
    http://www.ibusiness.de/db/674780jg.html

  4. Bernhard Says:

    Sehr interessantes Interview, lesenswert. Ein paar Anmerkungen dazu:
    In den meisten größeren Onlineshops ist es so, dass das Budget für Onlinemarketing als Vertriebsbudget eingesetzt wird, es also muss direkt in Umsatz konvertieren. Als Trafficquelle oder gar als Mittel zur Markenkommunikation und -bildung wird es nicht eingesetzt.
    Dies führt in Verbindung mit den begrenzten Margen durch den intensiven Wettbewerb zu einem niedrigeren durchschnittlichen CPC.
    Ich für meine Person bin aber der Meinung, dass man höhere CPC akzeptieren sollte, da man vergleichweise günstig hoch qualifizierten Traffic einkaufen kann. Auch wenn dieser nicht direkt konvertiert wird es sicherlich mittelfristig zur erfolgreichen Entwicklung eines Onlineshop beitragen. Dies gilt verstärkt, wenn es sich nicht um eine bekannte Offlinemarke handelt, sondern um ein “Start-Up”

  5. Anonymous Says:

    Man muss ja schon froh sein, wenn ein Online-Shop überhaupt über ein ausreichendes Tracking verfügt :-)
    Grundsätzlich stimme ich mit Bernhard überein, dass eine direkte Konvertierung in Umsätze nicht das alleinige Bewertungskriterium für den Erfolg od. Misserfolg einer Werbemaßnahme sein sollte. Die Wichtigkeit einer eigenen Online-Marke wird häufig unterschätzt.
    Andererseits variiert die Performance der verschiedenen Preisvergleiche bzw. Shopping-Netzwerke enorm. Hier macht es sicher Sinn sich Kosten und Nutzen auf Website-Ebene anzusehen und Underperformer ggfs. abzuschalten.

    Fazit: Kein Zwang zum direkten positiven ROI, aber Mut Underperformer abzuschalten.

  6. Anonymous Says:

    Hallo Herr Röck, alles Gute und herzlichen Glückwunsch nachträglich zu Hochzeit.

    Spannend wo Sie als nächstes auftauchen.

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